NRF 2026: Der Moment, in dem Headless POS vom Nice-to-have zum Muss wird
Ein paar Tage nach der NRF 2026 in New York wird aus „viele Eindrücke“ langsam wieder ein Bild. Es gab wie immer alles: Große Stände, noch größere Versprechen, jede Menge Buzzwords. Aber zwischen den lauten Demos und den glänzenden Folien tauchte dieses Jahr auffällig oft etwas auf, das sehr bodenständig ist: Retailer wollen weniger reden und mehr bauen. Und zwar so, dass es im Alltag funktioniert.
Genau deshalb fühlt sich Headless POS gerade nicht wie „Vision“ an, sondern wie „jetzt ist der Zeitpunkt da“. Agentic AI, neue Shopping-Oberflächen und mehr Touchpoints machen Daten, Integrationen und stabile Transaktionen wieder zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. nach dem Rundgang wirklich hängen bleibt und warum Headless POS gerade perfekt in die Zeit passt.
1. AI ist nicht mehr Kür, AI ist die Grundannahme
Natürlich war AI überall. Aber der Ton ist erwachsener geworden. Es geht weniger um „wow, das kann ein Modell auch noch“ und mehr um Agenten, echte Aufgaben, echte Prozesse. Und sobald Agenten ernst gemeint sind, werden die Dinge darunter wieder wichtig: Datenqualität, Stabilität, Integrationen, Security und ganz banal Transaktionen, die nicht wackeln.
2. Agentic Commerce wird konkret und Google hat das ziemlich offensiv gespielt
Der große Unterschied zu vielen früheren AI Wellen: Dieses Mal entstehen nicht nur Features, sondern Standards und Infrastruktur.
Google hat rund um die NRF sehr klar beschrieben, dass Shopping Journeys sich von Keywords Richtung natürliche Konversation bewegen und dass AI den anstrengenden Teil übernimmt: filtern, vergleichen, entscheiden helfen. Und Google nennt auch Zahlen, um das Tempo zu zeigen: Die Token Verarbeitung über Googles API sei für Retail Kunden von 8,3 Billionen im Dezember 2024 auf über 90 Billionen ein Jahr später gewachsen, also mehr als 11x. Und dass Sundar Pichai höchst persönlich auf der NRF auftaucht, zeigt wie wichtig die Retail-Branche für Google wirklich ist.
Das spannendste Stück für alle, die sich mit Commerce Architektur beschäftigen, ist das Universal Commerce Protocol, kurz UCP. Google stellt UCP als offenes, agnostisches Protokoll dar, eine gemeinsame Sprache, damit Agenten und Commerce Systeme über die komplette Journey sauber zusammenarbeiten können. Genannt werden dabei unter anderem Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart plus ein breiteres Ökosystem. Wichtig ist auch: UCP soll kompatibel sein mit bestehenden Protokollen wie Agent2Agent, Agent Payments Protocol und Model Context Protocol.
Und dann wird es sehr praktisch: Google skizziert „native checkout“ in AI Oberflächen. Ein Buy Button direkt in AI Mode in Search und in Gemini. Der Flow ist interessant, weil er nicht nur „kaufen“ ist, sondern typische Commerce Logik mitbringt: New member Preis, Loyalty Enrollment, passende Add ons und dann Checkout über Google Pay, ohne dass die Konversation verlassen wird. Der Satz, der für Händler dabei entscheidend ist: Retailer bleiben Merchant of Record und behalten die Kundenbeziehung.
Das ist eine ziemlich klare Ansage: Discovery und Checkout wandern in neue Oberflächen. Nicht irgendwann, sondern ab jetzt Schritt für Schritt.
3. Warum das sofort auf POS Architektur durchschlägt
Auf der NRF wurde erstaunlich wenig über „die Kasse“ als isoliertes Produkt gesprochen. Viel mehr über Plattformen, Orchestrierung, Datenflüsse und Integrationen.
Wenn AI Frontends wie Search, Chat oder Agenten künftig stärker in die Journey greifen und gleichzeitig Stores ihre Touchpoints weiter ausbauen, dann wird die alte Idee „UI und POS Core sind ein Paket“ schnell zum Bremsklotz. SCO, Mobile, Kiosk, Endless Aisle, Screens, neue UIs, neue Experimente. Das wird nicht weniger.
Und genau hier fühlt sich Headless POS perfekt und zeitgemäß an:
• Der Core macht verlässlich Preise, Steuern, Promotions, Payments, Fiskalisierung und Transaktionen
• Die UIs können sich schneller ändern, testen, anpassen und ja auch wieder wegwerfen, ohne dass jedes Mal der Kern angefasst wird
• Integrationen werden sauberer, weil nicht ständig UI Workarounds gebaut werden müssen, um Core Themen zu kaschieren
Das ist nicht glamourös, aber das ist genau der Teil, der in echten Rollouts Geld spart und Nerven rettet.
4. Discoverability wird technisch: Datenfeeds, Attribute, Antworten statt Keywords
Ein Punkt, der leicht unterschätzt wird: Wenn Shopping stärker über Konversation und Agenten läuft, dann reicht „guter SEO Text“ oder „gute Produktseite“ irgendwann nicht mehr.
Google spricht sehr offen darüber, dass neue Datenattribute im Merchant Center kommen sollen, die über Keywords hinausgehen. Zum Beispiel Antworten auf häufige Produktfragen, kompatibles Zubehör oder Alternativen. Ziel ist bessere Auffindbarkeit in AI Mode, Gemini und Business Agent.
Klingt erstmal nach Marketing oder Feed Team. Ist aber in Wahrheit ein Architektur Thema: strukturierte Produktdaten, klare Variantenlogik, Verfügbarkeit, Preise, Policies und zwar so, dass Maschinen es zuverlässig konsumieren können.
5. Business Agents und Brand Voice: der neue Verkäufer steht in der Suche
Google bringt außerdem einen Business Agent ins Spiel. Kunden chatten direkt in der Suche mit einer Marke, wie mit einem virtuellen Sales Associate, in Brand Voice, mit Produktfragen, Empfehlungen und perspektivisch sogar mit direktem Kauf.
Das ist interessant, weil es zeigt: Customer Experience wird nicht nur im Store oder im Shop gebaut, sondern auch direkt auf Plattformen. Und damit werden die Übergänge wichtiger: Wer kennt den Warenkorb, wer kann Loyalty, wer kann Service, wer setzt Regeln durch.
Die Grenze zwischen Marketing, Commerce und Service wird technisch unschärfer. Google beschreibt das als fragmentierte Touchpoints, die in der agentischen Ära wieder zusammengeführt werden sollen.
6. Direct Offers: Deals tauchen da auf, wo gerade entschieden wird
Retail ohne Deals ist selten. Google testet „Direct Offers“, exklusive Rabatte, die direkt in AI Mode auftauchen können, wenn der Kunde gerade kaufbereit wirkt.
Das ist ein guter Reality Check: AI wird nicht nur Beratung. AI wird auch Conversion Mechanik. Und das funktioniert nur, wenn Pricing, Promotion und Eligibility sauber angebunden sind.
7. Experience ist zurück und plötzlich wieder ein Tech Thema
Ein weiterer Eindruck vom Rundgang: Stores werden wieder stärker als Ort gedacht. Erlebnis, Social, Multisense, Destination. Das hört man nicht nur auf Bühnen, man sieht es auf der Fläche.
Und hier kommt ein Punkt rein, der technisch mehr Konsequenz hat, als man denkt. Mood Media spricht zum Beispiel über eine „Decompression Zone“ direkt nach dem Betreten des Stores und über kleine UX Regeln wie „Bild links, Text rechts“ in westlichen Märkten. Außerdem die klare Empfehlung, AI sparsam und strategisch einzusetzen, als Unterstützung für Mitarbeitende, nicht als Ersatz. Als Beispiele werden genannt: Echtzeit Bestände, Staffing Planung anhand Footfall Trends oder sogar dynamische Anpassung von Musik und Licht basierend auf Wetter.
Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie Experience am Ende „Signals plus Orchestrierung“ wird:
Footfall, Warenbestand, Queue, Wetter, Promotions, Personal und dann die Frage: Welche Oberfläche spielt wann welchen Inhalt, welchen Preis, welche Empfehlung
Und spätestens da wird klar: Wer den POS Core sauber als Service hat und die UIs und Touchpoints flexibel halten kann, hat in so einem Setup deutlich mehr Spielraum.
8. Walmart ist wieder mal der Benchmark im Raum
Walmart war gefühlt überall im Subtext. Als Benchmark für Omnichannel, Stores of the Future, Delivery und Innovation. Und auch in den Google Themen taucht Walmart als Partner wieder auf, etwa rund um UCP.
Das ist nicht nur „Walmart ist groß“. Das ist ein Signal, wie stark Plattformen gerade definieren, was State of the Art ist.
Was bleibt als mein NRF2026 Fazit?
• AI ist gesetzt, aber nicht als Demo, sondern als Prozessmotor
• Agentic Commerce bekommt Standards, Protokolle und neue Checkout Oberflächen
• Discoverability wird strukturierte Datenarbeit und damit Technik, nicht nur Marketing
• Experience kommt zurück und braucht Echtzeit Signale und Orchestrierung
Und genau deshalb passt Headless POS gerade so gut: Retailer wollen 2026 gleichzeitig schneller werden und stabiler laufen. Diese Kombination ist irgendwie brutal. Sie funktioniert am besten, wenn Kern und Oberfläche nicht mehr untrennbar verheiratet sind.
Ein paar Tage nach der Messe fühlt sich das jedenfalls sehr nach „Jetzt“ an.

