Was Wayfair über die Zukunft von POS-Systemen verrät

AI, Creator-Commerce und neue Verkaufskanäle verändern gerade den Handel. Warum dabei nicht das Frontend entscheidet, sondern die Systemarchitektur dahinter.

Ich bin über einen Artikel bei PYMNTS gestolpert. Es ging um Wayfair, also den großen Online-Händler für Möbel und Einrichtung (gab es bis Anfang 2025 auch in Deutschland). Normalerweise hätte ich so einen Artikel vermutlich nur kurz überflogen. Möbelhandel ist nicht gerade unser Kernthema bei COMBASE. Auf den ersten Blick ist Wayfair auch ziemlich weit weg von dem, womit wir uns jeden Tag beschäftigen. Aber hier bin ich hängengeblieben.

Wayfair wächst gerade in einem schwierigen Markt. Der Möbelmarkt steht überall krass unter Druck, Kunden sind vorsichtiger und größere Anschaffungen werden eher verschoben. Trotzdem konnte Wayfair im ersten Quartal 2026 wachsen und Marktanteile gewinnen.

Interessant fand ich dabei weniger die Zahlen selbst, sondern wie Wayfair dieses Wachstum erklärt. Da geht es um AI, Creator, Influencer, Loyalty, Mobile Commerce und bessere Produktdaten. Also um genau das Gedöns, welches man im Moment in fast jeder Retail-Präsentation findet.

Der einfache Reflex wäre jetzt zu sagen, dass das wieder nur ein bisschen AI-Marketing ist. Macht ja gerade jeder. Ich glaube aber, dass man es sich hier damit zu einfach macht.

AI ist nicht der Chatbot

Was mich an dem Wayfair-Beispiel interessiert, ist nicht der nächste Chatbot auf irgendeiner Website.  Wayfair nutzt AI offenbar deutlich tiefer im System. Produktdaten werden verbessert. Kataloge werden übersetzt. Attribute werden angereichert. Marketing wird lokaler ausgespielt. Creator-Programme werden skaliert und Loyalty wird internationaler gedacht. Und das ist für mich der eigentliche Punkt.

AI wird im Handel nicht dadurch relevant, dass irgendwo ein freundliches Chatfenster aufgeht. AI wird dann relevant, wenn sie direkt in die Handelsprozesse eingreift.

Also in Sortimente, Preise, Produktdaten, Verfügbarkeiten, Empfehlungen, Aktionen, Kundenbindung und Checkout-Prozesse. Und genau damit sind wir plötzlich sehr nah an unserem Thema bei COMBASE.

Denn am Ende muss irgendjemand diese Prozesse sauber abbilden. Preise müssen stimmen. Rabatte müssen korrekt angewendet werden. Steuern müssen passen. Bestände müssen aktualisiert werden. Zahlungen müssen funktionieren. Retouren müssen möglich sein. Loyalty muss eingebunden werden. Rechtliche Anforderungen müssen eingehalten werden. Und das nicht nur im Online-Shop. Das muss auch perfekt in der Filiale funktionieren, am Self-Checkout, am Kiosk, auf dem mobilen Gerät, im Webshop, in Apps und künftig wahrscheinlich auch in AI-Agenten.

Der eigentliche Kampf findet unter der Haube statt

Viele Retailer schauen bei AI zuerst auf das Frontend. Wie sieht der Assistent aus. Wie gut antwortet er. Wie modern wirkt die Oberfläche. Wie beeindruckend ist die Demo. Das ist verständlich, aber aus meiner Sicht eigentlich nicht der entscheidende Punkt. Die eigentliche Frage ist, ob die drunterliegenden Systeme überhaupt bereit sind. AI kann keine schlechten Produktdaten retten. Falsche Bestände werden durch AI nicht automatisch richtig. Unklare Preise werden nicht plötzlich logisch. Fragmentierte Systeme werden nicht durch einen Chatbot integriert. Ganz im Gegenteil. AI macht solche Schwächen schneller sichtbar.

Wenn ein Kunde künftig nicht mehr direkt im Shop sucht, sondern einen AI-Agenten fragt, dann muss der Händler für diesen Agenten überhaupt erst verständlich sein. Welche Produkte gibt es? Wo sind sie verfügbar? Was kosten sie? Welche Varianten existieren? Welche Aktionen gelten gerade?Kann ich online kaufen und in der Filiale abholen? Kann ich im Store retournieren? Gibt es Loyalty-Vorteile? Welche Zahlungsarten sind möglich? Das ganze Gedöns also.

Und das sind keine reinen Marketingfragen. Das sind Systemfragen.

Genau deshalb bauen wir KORONA POS Next

Wir sprechen bei COMBASE schon länger darüber, dass die klassische Kasse in Zukunft nicht mehr einfach nur eine Kasse sein wird. Sie wird immer mehr zum Transaktionskern des Handels. Das Gerät und die Oberfläche kann sich verändern und damit die komplette Interaktion mit den Kunden. Der Verkaufskanal kann sich verändern. Aber die Logik dahinter muss stabil bleiben.

Genau deshalb arbeiten wir so intensiv an KORONA POS Next. Für mich bestätigt der Wayfair-Artikel ziemlich deutlich, dass dieser Weg richtig ist. Denn wenn Commerce immer stärker über verschiedene Touchpoints läuft, darf die zentrale Handelslogik nicht fest an eine bestimmte Oberfläche gebunden sein. Ein POS-System muss künftig nicht mehr nur am Kassenplatz funktionieren. Es muss als Plattform funktionieren.

Heute ist der Touchpoint vielleicht eine klassische Kasse oder ein Self-Checkout. Danach ein Smartphone. Dann ein Kiosk. Dann ein digitales Regal. Dann ein AI-Agent, der Produkte sucht, vergleicht und vielleicht sogar direkt kauft.

Wenn man dafür jedes Mal eine neue Sonderlösung baut, wird es langsam, teuer und fehleranfällig.Deshalb ist Headless POS für mich kein technisches Modewort. Es ist eine ziemlich logische Antwort auf eine Handelswelt, in der niemand genau sagen kann, wie der nächste relevante Verkaufskanal aussehen wird.

Der nächste Verkaufskanal kommt sicher

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis. Wir wissen nicht genau, welcher Verkaufskanal als nächstes wirklich groß wird. Vielleicht sind es AI-Agenten. Vielleicht Creator-Commerce. Vielleicht Self-Checkout in ganz neuen Formen. Vielleicht mobile Beratung im Store. Vielleicht digitale Regale. Vielleicht neue Marktplätze. Vielleicht etwas, das heute noch niemand auf dem Zettel hat.

Aber dass neue Touchpoints kommen, ist sicher. Für Retailer ist deshalb nicht die Frage, ob sie jeden Trend sofort perfekt umsetzen. Die Frage ist, ob ihre Systemarchitektur flexibel genug ist, um neue Touchpoints schnell anzubinden. Wer dafür eine offene und robuste Plattform hat, kann testen, lernen und skalieren. Wer auf starre Systeme setzt, startet bei jeder neuen Idee wieder ein Projekt. Mit langen Abstimmungen, Sonderentwicklung, Integrationsproblemen und hohem Risiko.

Genau diesen Unterschied sehen wir auch in realen Projekten. Große Retailer wollen Self-Checkout, mobile Beratung, digitale Services, Omnichannel-Prozesse, schnelle UI-Anpassungen, bessere Integration in ERP- und CRM-Systeme und gleichzeitig maximale Stabilität im Tagesgeschäft. Das ist der Spagat, den moderne POS-Systeme lösen müssen.

Creator sind nicht nur Werbung

Ein anderer Punkt aus dem Wayfair-Artikel ist mir auch hängen geblieben. Wayfair setzt stark auf Creator und Influencer. Auf den ersten Blick klingt das weit weg von klassischem Retail. Aber eigentlich ist es sehr logisch.

Nachfrage entsteht heute immer häufiger außerhalb der klassischen Verkaufsflächen. Produkte werden in Videos entdeckt, in Feeds geteilt, in Communities diskutiert und über Empfehlungen gekauft. Damit verliert der Handel ein Stück Kontrolle darüber, wo Kaufentscheidungen entstehen.

Die entscheidende Frage ist dann nicht mehr nur, ob der Händler eine schöne Website hat. Die Frage ist, ob er schnell genug reagieren kann, wenn Nachfrage irgendwo entsteht. Kann er Produkte sichtbar machen. Kann er Preise anpassen. Kann er Aktionen fahren. Kann er Verfügbarkeit garantieren. Kann er online und stationär verbinden.

Auch hier landen wir wieder bei der Systemarchitektur. Der schönste Social-Commerce-Impuls bringt wenig, wenn der Händler im Hintergrund nicht liefern kann. Und der beste AI-Agent hilft nicht, wenn Produktdaten, Preise und Bestände nicht zuverlässig verfügbar sind.

Die Filiale ist nicht tot

Wayfair ist ein Online-Player. Trotzdem betrifft die Schlussfolgerung den stationären Handel mindestens genauso stark. Vielleicht sogar noch stärker. Denn stationäre Händler haben etwas, was reine Online-Player nicht haben. Echte Nähe zum Kunden. Echte Verfügbarkeit. Echte Beratung. Echte Services. Echte Erlebnisse.

Aber dieser Vorteil zählt nur, wenn die Filiale digital anschlussfähig ist. Ein Store, dessen Preise, Bestände, Kundendaten, Loyalty-Informationen, Promotions und Transaktionen in getrennten Systemen liegen, wird in einer AI-Commerce-Welt schnell unsichtbar. Physisch ist die Filiale da. Digital ist sie aber nur schwer nutzbar. Ein sauber angebundener Store kann dagegen ein riesiger Vorteil sein. Er kann liefern, abholen, retournieren, beraten, inspirieren und sofort verfügbar machen.

Deshalb glaube ich nicht, dass die Filiale das Problem ist. Die schlecht angebundene Filiale ist das Problem. POS darf nicht der Bremsklotz sein

Für uns als Software-Anbieter ist daraus die Aufgabe ziemlich klar. Wir müssen KORONA so weiterentwickeln, dass Händler ihre stationären Prozesse nicht gegen digitale Prozesse verteidigen müssen. Beides muss zusammenkommen. POS darf dabei nicht der Bremsklotz sein. POS muss die Plattform sein, die neue Ideen möglich macht.

Unsere Idee bei KORONA POS Next ist deshalb bewusst klar. Die zentrale POS-Logik bleibt stabil. Preise, Produkte, Rabatte, Steuern, Zahlungen, Fiskalisierung und Transaktionen werden sauber und zuverlässig verarbeitet.

Aber die Oberfläche kann sich verändern. Partner können eigene UIs bauen. Retailer können eigene Prozesse abbilden. Neue Touchpoints können angebunden werden, ohne den Kern jedes Mal neu zu erfinden. Das ist für uns keine Theorie. Genau diese Anforderungen sehen wir bereits in vielen Projekten.

Der Handel will (und muss) schneller werden. Die Systeme dürfen dabei aber nicht instabiler werden. Das ist die eigentliche Herausforderung.

Was ich daraus für uns bei COMBASE mitnehme

Für mich ist der Wayfair-Artikel kein Möbelhandelsartikel. Er ist ein ziemlich guter Hinweis darauf, wohin Retail insgesamt läuft. Weg von klar getrennten Kanälen, von starren Frontends und von isolierten Systemen. Hin zu Commerce, der überall stattfinden kann. Im Store, im Webshop, am Self-Checkout, im Kiosk, in einer App, über einen Creator-Link, in einem AI-Agenten oder vielleicht direkt in einem Chat.

Die Händler, die darauf vorbereitet sind, werden schneller testen, schneller lernen und schneller skalieren können. Die anderen werden viel Zeit damit verbringen, ihre alten Systeme irgendwie an neue Realitäten anzupassen. Das ist unbequem, aber aus meiner Sicht ziemlich klar.

AI wird im Handel zum Glück nicht diejenigen gewinnen lassen, die am lautesten darüber sprechen. AI wird diejenigen nach vorne bringen, deren Systeme bereit sind, wenn aus einer Idee echter Umsatz werden soll.

Quelle: https://www.pymnts.com/earnings/2026/wayfair-deploys-ai-and-influencers-to-beat-furniture-slump